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Grundmaterial und Beschichtungsmöglichkeiten
Fachbeitrag

Grundmaterial und Beschichtungsmöglichkeiten

DROLLINGER Technik-Team5. Mai 20265 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Mai 2026
Nicht jedes Grundmaterial ist für jede Beschichtung geeignet. Dieser Leitfaden gibt demnächst einen umfassenden Überblick über die Kompatibilität von Grundwerkstoffen (Stahl, Kupfer, Aluminium, Zink-Druckguss, Kunststoff) mit verschiedenen galvanischen Beschichtungsverfahren. Inklusive Empfehlungen für Vorbehandlung und Schichtaufbau.
Verschiedene Grundmaterialien (Stahl, Aluminium, Kupfer, Zinkdruckguss) vor der galvanischen Beschichtung
Verschiedene Grundmaterialien (Stahl, Aluminium, Kupfer, Zinkdruckguss) vor der galvanischen Beschichtung

Einleitung

Übersicht der Beschichtungsmöglichkeiten je nach Grundmaterial und Anwendungsbereich
Übersicht der Beschichtungsmöglichkeiten je nach Grundmaterial und Anwendungsbereich

Die Wahl des richtigen Grundmaterials in Kombination mit der optimalen Oberflächenbeschichtung ist eine der wichtigsten Entscheidungen in der Produktentwicklung. Jedes Grundmaterial bringt spezifische Eigenschaften mit, die sowohl die Beschichtbarkeit als auch die Leistungsfähigkeit des fertigen Bauteils maßgeblich beeinflussen.

Bei DROLLINGER Metallveredelungswerke verfügen wir über mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Beschichtung unterschiedlichster Materialien. In diesem Fachbeitrag geben wir einen umfassenden Überblick über die gängigsten Grundmaterialien und ihre Beschichtungsmöglichkeiten.

Grundmaterialien im Überblick

Stahl und Eisenwerkstoffe

Stahl ist das am häufigsten galvanisch beschichtete Material. Die große Bandbreite an Stahlsorten – von unlegiertem Baustahl über Vergütungsstähle bis hin zu hochfesten Federstählen – erfordert jeweils angepasste Vorbehandlungs- und Beschichtungsstrategien.

Unlegierter Stahl (z.B. S235, C45):

  • Standardmäßig gut beschichtbar
  • Vorbehandlung: Entfetten → Beizen → Aktivieren
  • Geeignete Beschichtungen: Vernickeln, Verchromen, Verzinnen, Zink-Nickel
  • Besonderheit: Bei Kohlenstoffgehalt > 0,4% erhöhte Gefahr der Wasserstoffversprödung

Vergütungsstähle (z.B. 42CrMo4, 34CrNiMo6):

  • Gut beschichtbar nach angepasster Vorbehandlung
  • Wasserstoffarmglühen nach der Beschichtung erforderlich (200°C, 2-24h)
  • Bevorzugte Beschichtungen: Hartverchromen, Chemisch Nickel

Hochfeste Stähle (> 1000 MPa):

Edelstahl (z.B. 1.4301, 1.4404):

  • Passive Oxidschicht muss vor der Beschichtung aktiviert werden
  • Spezialverfahren: Wood'sches Nickel-Strike, Salzsäureaktivierung
  • Geeignete Beschichtungen: Vernickeln, Vergolden, Versilbern
  • Anwendung: Medizintechnik, Lebensmittelindustrie, Elektronik

Kupfer und Kupferlegierungen

Kupfer und seine Legierungen (Messing, Bronze, Neusilber) gehören zu den am besten beschichtbaren Materialien. Die gute elektrische Leitfähigkeit und die edle Stellung in der elektrochemischen Spannungsreihe begünstigen die Haftung nahezu aller galvanischen Schichten.

Reinkupfer (Cu-ETP, Cu-OF):

  • Hervorragend beschichtbar ohne aufwendige Vorbehandlung
  • Vorbehandlung: Entfetten → leichtes Beizen → Aktivieren
  • Alle Beschichtungen möglich: Vernickeln, Vergolden, Versilbern, Verzinnen
  • Hauptanwendung: Elektronik, Steckverbinder, Leiterplatten

Messing (CuZn-Legierungen):

  • Sehr gut beschichtbar
  • Achtung: Entzinkung bei falscher Vorbehandlung möglich
  • Bevorzugt: Vernickeln + Verchromen (dekorativ), Vergolden
  • Anwendung: Sanitärarmaturen, Beschläge, Dekorelemente

Bronze (CuSn-Legierungen):

Aluminium und Aluminiumlegierungen

Aluminium stellt aufgrund seiner stabilen Oxidschicht (Al₂O₃) besondere Anforderungen an die Vorbehandlung. Die direkte galvanische Beschichtung ist nicht möglich – es sind Zwischenschritte erforderlich.

Vorbehandlungssequenz für Aluminium:

  1. Entfetten (alkalisch)
  2. Beizen (NaOH-Lösung)
  3. Dekapieren (Salpetersäure)
  4. Zinkatbehandlung (Zn-Immersionsschicht)
  5. Ggf. doppelte Zinkatbehandlung für bessere Haftung
  6. Kupfer-Strike oder Nickel-Strike
  7. Eigentliche Beschichtung

Geeignete Beschichtungen auf Aluminium:

Typische Aluminiumlegierungen und ihre Beschichtbarkeit:

LegierungBeschichtbarkeitAnmerkung

AlMg3 (5754)GutStandardvorbehandlung
AlSi (Guss)EingeschränktSi-Gehalt stört Zinkat
Al 6061/6082GutHäufig in Maschinenbau
Al 7075MöglichHochfest, Sondervorbehandlung

Zinkdruckguss

Zinkdruckguss (ZnAl4Cu1, Zamak) ist in der Automobilindustrie und bei Beschlägen weit verbreitet. Die Beschichtung erfordert einen mehrstufigen Prozess:

  1. Entfetten und Beizen (mild, da Zink reaktiv)
  2. Verkupfern (alkalisch cyanidisch oder sauer)
  3. Vernickeln (Halbglanz + Glanznickel)
  4. Verchromen (dekorativ) oder andere Deckschicht

Besonderheiten:

  • Porosität des Gussmaterials kann zu Blasenbildung führen
  • Qualität des Gussteils entscheidend für Beschichtungsergebnis
  • Temperaturempfindlich (max. 120°C bei Nachbehandlung)

Kunststoffe (Sonderverfahren)

Obwohl DROLLINGER primär metallische Substrate beschichtet, ist das Verständnis der Kunststoffgalvanisierung für die Materialauswahl relevant:

  • ABS und ABS/PC-Blends sind galvanisierbar
  • Vorbehandlung: Chromsäure-Beize oder plasmabasiert
  • Anwendung: Automobilzierteile, Sanitärarmaturen

Beschichtungsverfahren und ihre Eigenschaften

Galvanische Verfahren

VerfahrenSchichtdickeHärteHaupteigenschaft

Vernickeln5-50 µm200-600 HVKorrosionsschutz, Dekor
Hartverchromen10-500 µm800-1000 HVVerschleißschutz
Verchromen0,3-1 µm800 HVDekor, Anlaufschutz
Zink-Nickel8-25 µm350-450 HVKorrosionsschutz
Verzinnen3-30 µm10-15 HVLötbarkeit, Kontakt
Versilbern2-30 µm60-90 HVLeitfähigkeit
Hartvergolden0,5-5 µm150-200 HVKontaktsicherheit
Verkupfern5-30 µm80-120 HVZwischenschicht, Wärme

Chemische Verfahren

Chemisch Nickel (außenstromlos) bietet einzigartige Vorteile:

  • Gleichmäßige Schichtdicke unabhängig von der Geometrie
  • Beschichtung von Innenbohrungen und Hohlräumen
  • Einstellbare Härte (500-1000 HV nach Wärmebehandlung)
  • Gute Korrosions- und Verschleißbeständigkeit

Mechanische Vorbehandlung

Vor der eigentlichen Beschichtung ist oft eine mechanische Vorbehandlung erforderlich:

Auswahlkriterien für die optimale Kombination

Funktionale Anforderungen

Die Auswahl der Beschichtung richtet sich primär nach den funktionalen Anforderungen:

Korrosionsschutz:

  • Leicht: Vernickeln (10-20 µm)
  • Mittel: Zink-Nickel (12-15 µm) + Passivierung
  • Hoch: Chemisch Nickel (25-50 µm)
  • Sehr hoch: Nickel + Chrom Mehrschichtsystem

Verschleißschutz:

  • Abrasiv: Hartverchromen (50-200 µm)
  • Adhäsiv: Chemisch Nickel + Wärmebehandlung
  • Erosiv: Hartverchromen oder Chemisch Nickel

Elektrische Eigenschaften:

  • Leitfähigkeit: Versilbern, Vergolden, Verkupfern
  • Kontaktsicherheit: Hartvergolden
  • Lötbarkeit: Verzinnen, Versilbern

Dekorative Anforderungen:

  • Hochglanz: Glanznickel + Chrom
  • Matt/Satin: Mattnickel oder Glasperlenstrahlen + Nickel
  • Farbig: Farbvergolden, Bronzieren, Zinn-Kobalt

Wirtschaftliche Aspekte

  • Schichtdicke minimieren (Material- und Zeitersparnis)
  • Selektive Beschichtung wo möglich (Maskierung)
  • Prozessschritte reduzieren (Materialwahl anpassen)
  • Losgrößen bündeln (Rüstzeiten optimieren)

Zusammenfassung

Die optimale Kombination aus Grundmaterial und Beschichtung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von:

  • Mechanischen Anforderungen an das Bauteil
  • Korrosions- und Verschleißanforderungen
  • Elektrischen oder dekorativen Funktionen
  • Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit
  • Normen und Kundenspezifikationen

Bei DROLLINGER beraten wir Sie umfassend bei der Auswahl der optimalen Material-Beschichtungs-Kombination. Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Beratung.

DROLLINGER Technik-Team

Fachexperte für Oberflächentechnik und galvanische Beschichtungsverfahren bei DROLLINGER Metallveredelungswerke GmbH. Langjährige Erfahrung in der industriellen Galvanotechnik.

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